Das Debütalbum der amerikanischen Band Being as an Ocean, Dear G-d, erschien 2012 und legte sogleich das Fundament einer eigenwilligen Ästhetik innerhalb des melodischen Hardcore. Hier hat das Wort oft Vorrang vor dem Gesang, und der Spoken Word nimmt einen zentralen Platz ein, der die Stücke in Beichten, Gebete, in an eine Abwesenheit gerichtete Schreie verwandelt. Es ist eine zutiefst beseelte Platte, mitunter uneben, stets aufrichtig und offen.

Das Wort vor der Melodie

Was Dear G-d sofort auszeichnet, ist sein Verhältnis zum Text. Der Sänger begnügt sich nicht mit Singen oder Schreien: Er deklamiert, er erzählt, er fleht. Die Texte, sehr geschrieben, fast literarisch, behandeln den Glauben, den Zweifel, die Schuld, das Leiden der anderen. Diese bekenntnishafte Dimension verleiht der Platte eine seltene Intensität, aber auch ein Risiko: das der Überladung, des emotionalen Überschusses, der den weniger empfänglichen Hörer ermüden kann.

Ein Post-Hardcore-Gewand

Musikalisch entfaltet die Band einen melodischen Post-Hardcore, klassisch in der Form, aber wirkungsvoll: atmosphärische Gitarren, die an Kraft gewinnen, kathartische Breakdowns, gesungene Refrains, die leuchtende Atempausen öffnen. Das Ganze dient als Träger des Wortes, trägt und verstärkt es. Die stärksten Momente entstehen aus der Begegnung zwischen der Zerbrechlichkeit des gesprochenen Textes und der Wucht der Instrumentierung, wenn das Intime im Kollektiven aufgeht und die Beichte zur geteilten Hymne wird.

Die Grenzen eines Erstlings

Die Platte entgeht nicht gewissen Schwächen, die einem Erstlingswerk eigen sind. Die Produktion, ordentlich, fehlt es bisweilen an Relief, und das musikalische Schreiben bleibt den Codes des Genres verhaftet, ohne sie stets zu überwinden. Die durchgehende emotionale Dichte kann auf Dauer auch erschöpfend werden, so sehr verweigert die Band jede Ironie oder Distanz. Doch diese Grenzen sind auch das Zeichen einer bekannten Jugend, eines rohen Bedürfnisses, alles zu sagen, ohne Filter oder Kalkül, auch auf die Gefahr, zu viel zu sagen. Man muss auch die Haltung der Platte annehmen, jenen ernsten, ironiefreien Ton, der jedem naiv erscheinen kann, der sich nicht auf ihr Spiel einlässt. Und doch ist diese völlige Abwesenheit von Zynismus vielleicht ihre kostbarste Eigenschaft, in einer Zeit, in der sich so viele Bands hinter Distanz verschanzen. Hier stellt sich die Band ganz bloß, ohne Netz, und diese bewusste Verletzlichkeit nötigt Respekt ab, selbst wenn die Ausführung verbesserungswürdig bleibt. Aufrichtigkeit ist hier keine Pose, sondern das eigentliche Material.

Dear G-d bleibt ein markanter erster Wurf, ein Album, das eine Band auf der Suche nach Sinn ebenso wie nach Klang offenbart. Seine Stärke liegt in seiner entwaffnenden Ehrlichkeit, in dieser Art, aus jedem Song eine direkte Anrede zu machen, fast einen Brief. Wer eine frontale Katharsis sucht, einen Hardcore, der ohne Umweg von Spiritualität und Mitgefühl spricht, findet hier reichlich Nahrung. Es ist eine unvollkommene, aber großzügige Platte, die die Pflöcke einer verfolgenswerten Laufbahn einschlägt. Ein Anfang voller Versprechen und offener Wunden.