Die Band aus Chicago, Harm’s Way, machte sich mit einem metallischen Hardcore einen Namen, gespeist von industriellen Einflüssen, eine Kombination, die ihr eine unter tausend erkennbare Klangidentität verleiht. Posthuman, 2018 erschienen, treibt diese Fusion auf ein bemerkenswertes Maß an Präzision. Die Platte verbindet die körperliche Brutalität des Hardcore mit der mechanischen Kälte einer industriellen Ästhetik und zeichnet eine dystopische Welt, in der der Mensch von der Maschine zermahlen scheint. Über die Jahre von einer rohen Power Violence zu einem strukturierteren Schreiben übergegangen, verfeinerte die Band nach und nach ihre Identität, ohne etwas von ihrer Wucht einzubüßen. Diese beherrschte Entwicklung findet in dieser Platte eine Art Vollendung, jene einer Formation, die sich ihrer Mittel und ihrer Richtung voll bewusst ist.
Eine klangliche Kriegsmaschine
Musikalisch beeindruckt Posthuman durch seine Dichte und seine fast chirurgische Präzision. Die Riffs sind massiv, aus Metall geschnitten, während die Produktion eine fast mechanische Schwere in den Vordergrund rückt. Elektronische und industrielle Texturen schleichen sich in die Stücke und fügen eine kalte, drohende Dimension hinzu, ohne je die rohe Kraft zu verdünnen. Die Band handhabt diesen Kontrast mit beeindruckender Beherrschung. Der Gesang, guttural und unerbittlich, verkörpert perfekt diese entmenschlichte Ästhetik. Die Stimme setzt sich wie ein weiteres Zahnrad in der Maschine und hämmert eine Aussage heraus, die den Platz des Menschen in einer bedrückenden technologischen Welt hinterfragt. Das Thema des Posthumanen, vom Titel angekündigt, durchzieht die gesamte Platte und verleiht ihr eine willkommene konzeptuelle Geschlossenheit.
Zwischen Hardcore und Industrial
Was Harm’s Way auszeichnet, ist die Fähigkeit, zwei selten verbundene Welten miteinander sprechen zu lassen. Der Hardcore bringt die Dringlichkeit und die Wucht, das Industrielle die Kälte und die Atmosphäre. Diese Hybridisierung, schon auf ihren früheren Platten präsent, erreicht hier eine Art Vollendung. Die Band begnügt sich nicht damit, die Einflüsse nebeneinanderzustellen, sie verschmilzt sie zu einem geschlossenen, persönlichen Ganzen.
Eine bewusste Modernität
Posthuman ist eine entschieden moderne Platte in ihrer Produktion und ihrer Ästhetik. Sie jagt nicht der Nostalgie nach, sondern der Gegenwart, und umarmt die Möglichkeiten eines geschliffenen, kraftvollen Klangs. Dieser Ansatz mag Puristen verstören, die an der Rauheit des traditionellen Hardcore hängen, doch er passt perfekt zum Ehrgeiz der Band. Man könnte der Platte eine gewisse Kälte vorwerfen, eine klinische Seite, die den Hörer mitunter auf Distanz hält. Doch diese Kälte ist genau das Thema der Platte, eine ästhetische Wahl in vollkommener Übereinstimmung mit ihrer dystopischen Aussage. Harm’s Way bekennt sich voll zu dieser Richtung.
Am Ende ist Posthuman eine solide, geschlossene Platte, die die Eigenart von Harm’s Way in der Landschaft des metallischen Hardcore bestätigt. Ihre gelungene Fusion aus Brutalität und industrieller Kälte macht sie zu einem bemerkenswerten Werk der späten 2010er. Ein kraftvolles Hörerlebnis, für eine Welt der Maschinen geschnitten.





