Es gibt nur wenige Bands, denen es wie White Ward gelungen ist, zwei Welten miteinander ins Gespräch zu bringen, die alles zu trennen schien. Das in den 2010er Jahren in Odessa gegründete ukrainische Ensemble pfropft auf das eisige Gerüst des atmosphärischen Black Metal verschlungene Saxophonlinien und eine Jazz-Sensibilität, die ebenso an die regennassen Gassen eines Film noir erinnert wie an die vereisten Gipfel des Nordens. False Light, ihr drittes Album, treibt diese Hybridisierung zu einem selten erreichten Grad der Vollendung und bestätigt einen Status, den sie sich durch schiere Eigenwilligkeit erworben haben.
Die Kritik, großzügig (ein Durchschnitt von 85 über zehn Rezensionen), lobt genau diese Fähigkeit, Wut und Schwermut zusammenzuhalten. Gerühmt werden ein bewusst gepflegter formaler Ehrgeiz, ein Sinn für Erzählung, der jedes lange Stück zu einer Reise für sich macht, und eine weiträumige Produktion, die dem instrumentalen Überfluss den nötigen Raum lässt.
Musikalisch schreitet False Light in Kontrasten voran: Die Tremolos und Blastbeats weichen plötzlich kontemplativen Flächen, auf denen das Saxophon, beinahe klagend, eine urbane Melancholie zeichnet. Die Stadt — ihre Einsamkeit, ihre dumpfe Gewalt, ihre Neonlichter — durchzieht die ganze Platte, die weniger der Wildnis als dem nächtlichen Asphalt verpflichtet ist. Dies ist ein städtischer, filmischer, beseelter Black Metal.
Man mag einwenden, dass dieses beständige Streben nach Weite bisweilen der Prägnanz schadet: Manche Passagen dehnen sich, und der eilige Hörer wird sich darin verlieren. Die Platte verlangt Zeit, Aufmerksamkeit, eine Form der Hingabe. Doch wer sich auf diese Langsamkeit einlässt, gewinnt daraus eine Ergriffenheit, die im heutigen Metal ihresgleichen sucht.
Fazit: 8.5/10. Ein kühnes und schlüssiges Werk, das beweist, dass die Vermählung von Black Metal und Jazz weit davon entfernt ist, eine Spielerei zu sein, und eine erschütternde klangliche Poesie hervorbringen kann.



