Es brauchte eine Band aus Colorado, um zu erfinden, was man den Black Metal der Frontier nennen könnte. Wayfarer, ein aus den Rocky Mountains stammendes Ensemble, hat aus der Mythologie des amerikanischen Westens — ihrer gründenden Gewalt, ihren weiten Räumen, ihrer schmerzhaften Erinnerung — den Stoff eines eigenwilligen Werks gemacht, auf halbem Weg zwischen atmosphärischem Black Metal und Westernmusik. American Gospel treibt diese filmische Vision bis an ihr Ende.

Die Kritik (ein Durchschnitt von 84 über acht Rezensionen) lobt den erzählerischen Ehrgeiz und die ästhetische Schlüssigkeit der Platte. Gerühmt werden ein Schreiben, das Detonation und Andacht zu wechseln versteht, das Eindringen akustischer Instrumente — trockene Gitarren, geisterhafte Saloon-Atmosphären — und jene Stimmung eines untergehenden Reiches, die über dem Ganzen schwebt.

Musikalisch schreitet American Gospel voran wie ein Ritt: Die Tremolos berühren sich mit beinahe folkigen Passagen, die Blastbeats weichen kontemplativen Flächen, auf denen man den Wind eine verlassene Ebene überstreichen zu hören glaubt. Die Band erzählt von einem mythischen und gefallenen Amerika, jenem der Pioniere und der Massaker, und diese erzählerische Dimension verleiht der Platte eine im Genre seltene Tiefe.

Man mag finden, dass der konzeptuelle Ehrgeiz bisweilen auf der Spontaneität lastet und dass manche Stücke sich über das Nötige hinaus dehnen, um der Erzählung zu dienen. Die Platte verlangt, sich tragen zu lassen, ihre bekannte Langsamkeit anzunehmen. Doch das Eintauchen, wenn es gelingt, ist vollkommen.

Fazit: 8.5/10. Ein ehrgeiziges und stimmungsvolles Werk, das eine noch nie gehörte klangliche Geografie erfindet und Wayfarer unter den originellsten Stimmen des amerikanischen Black Metal bestätigt.