Stronger trägt seinen Anspruch im Titel: aus jeder Prüfung stärker hervorgehen als zuvor. No Turning Back deklariert hier seine Lieblingsthese, die des in Kraft verwandelten Widerstands, mit erneuerter Überzeugung. Die Platte schlägt mit der Festigkeit einer Band zu, die aus der Ausdauer eine Lebenskunst gemacht hat und sich weigert, die Jahre als Handicap zu betrachten statt als Rüstung. Es ist eine Platte behaupteter Stärke, auf der jedes Stück darauf angelegt scheint, die Entschlossenheit des Hörers ebenso zu festigen wie die der Band, in einem kollektiven und stärkenden Schwung.
Solider
Das Thema der Stärke durchzieht das Ganze: moralische Stärke, Stärke des Kollektivs, aus der Dauer geschöpfte Stärke. Die Texte sprechen nicht von Beherrschung, sondern von Haltung, jener Fähigkeit, aufrecht zu bleiben, wenn andere einknicken. Es ist eine einfache, beinahe elementare Botschaft, aber No Turning Back trägt sie mit einer Aufrichtigkeit vor, die Zynismus verbietet. Man glaubt daran, weil die Band offensichtlich als Erste daran glaubt, und darin etwas findet, um sich zu stärken, statt zu zerbrechen.
Muskel und Nerv
Klanglich setzt das Album auf Dichte. Die Riffs sind massiv, die Tempi weiterhin nervös, und die Breakdowns gewinnen an Schwere, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. In dieser Produktion liegt der Wille, sich physisch aufzudrängen, das Gewicht der Stücke ebenso spürbar zu machen wie ihren Schwung. Das Ergebnis ist massiv, ohne je schwerfällig zu werden, kompakt, ohne je außer Atem zu geraten. Diese Verbindung von Kraft und Schnelligkeit verleiht der Platte eine furchtbare Schlagkraft, perfekt abgestimmt auf das Anliegen muskulöser Widerstandskraft, das sie von Anfang bis Ende durchzieht.
Nichts nutzt sie ab
Was Stronger überzeugend macht, ist das völlige Fehlen von Ermüdung. Nichts hier verrät Routine oder Überdruss: Die Band spielt, als hätte sie noch alles zu beweisen, mit dem Hunger der Anfänge und der Präzision des reifen Alters. Diese seltene Kombination erklärt, warum No Turning Back die Moden durchquert hat, ohne je überholt zu wirken. Album für Album verweigert die Band das geringste Nachlassen, als hätten Bühne und Straße ihr eine unerschöpfliche Energie eingeflößt.
Stronger ist eine Platte, die beweist, dass man diese Niederländer nicht so leicht loswird, und dass ihr Credo der Stärke durch Widerstand nichts von seiner Relevanz noch von seiner mitreißenden Kraft verloren hat.