85/100 aus sechs Kritiken: auf dem Papier ist DREAMCRUSH einer der metallischen Höhepunkte von 2026. Und das nicht um Haaresbreite — New Noise vergibt die 100, Sputnikmusic die 96, Metal Hammer und Distorted Sound die 90. Auf diesem Niveau spricht man nicht mehr von einer guten Platte, sondern von einem Beinahe-Plebiszit. Nur dass zwei Stimmen den Einklang brechen: Angry Metal Guy (70) und vor allem Kerrang! (60). Und das Publikum neigt sich mit 73/100 aus über 600 Stimmen deutlich der skeptischen Seite zu. Willkommen im Spagat des Jahres.

Blackgaze bis zur Weißglut getrieben

MØL, zur Einordnung, ist die dänische Speerspitze eines Genres, das seit zehn Jahren Furore macht: der Blackgaze, jene unwahrscheinliche Legierung aus eiskaltem Black Metal und schwerelosem Shoegaze. Auf DREAMCRUSH treibt das Quintett den Regler nach beiden Seiten zugleich — die Blasts sind schärfer, die Klangflächen weiter, die Melodien frontaler. Was die begeisterte Presse würdigt, ist genau dieser Ehrgeiz: Sputnikmusic hört eine Band « auf dem Höhepunkt ihrer Kunst », Metal Hammer eine Platte « von erdrückender Schönheit ». Bei Nuclear Blast unter Vertrag, hat das Album die Mittel für seine Größenträume.

Die Bruchlinie

Bleibt, dass erdrückende Schönheit eben auch erdrückt. Der Vorwurf von Angry Metal Guy und Kerrang! dreht sich um dieselbe Achse: durch das Maximieren von allem glätte das Album am Ende seine Kanten und tausche den Biss des Black Metal gegen ein beinahe stadiontaugliches Pathos ein. Das Publikum, oft stärker der ursprünglichen Rauheit des Genres verbunden, scheint ihnen recht zu geben — 73/100 sind zwölf Punkte unter der Presse. Klassische Blackgaze-Debatte: wie weit lässt sich die Finsternis polieren, bevor sie einfach nur noch… hübsch wird?

Fazit: 8. Wir entscheiden uns für den Ehrgeiz. DREAMCRUSH ist vielleicht nicht die gefährlichste Platte von MØL, aber die weiteste, die in der Produktion ausgereifteste und stellenweise die ergreifendste. Dass die anspruchsvollere Hälfte des Publikums abrasivere Sachen vorzieht, ist eine legitime Debatte — kein Grund, einem der großen ästhetischen Erfolge des Jahres die kalte Schulter zu zeigen.