Es gibt Platten, die nicht bloss existieren: sie schlagen ein Loch in die Wand. Damaged aus dem Jahr 1981 ist eine davon. Als erstes vollstaendiges Album von Black Flag mit Henry Rollins am Gesang faengt es eine Band am Rand der Explosion ein, zwischen jugendlicher Wut und erwachsener Gewalt. Getragen von Greg Ginns schmirgelnden Riffs, legte diese Platte die Fundamente des amerikanischen Hardcore mit einer Brutalitaet und einer Intelligenz, die nie erreicht wurden. Es ist eine Platte, die man nicht vergisst, sobald man sie einmal wirklich gehoert hat.
Eine organische Gewalt
Was zuerst auffaellt, ist das Gefuehl von Gefahr. Ginns Gitarre klingt wie keine andere, dissonant, nervoes, fast krank, den Komfort systematisch verweigernd. Die Rhythmusgruppe haemmert, die Produktion ist absichtlich dreckig, und ueber allem schreit Rollins wie ein Mann am Rand des Abgrunds. In Stuecken wie Rise Above wird Wut zum Ueberlebensschrei; andernorts enthuellt der schwarze Humor von TV Party eine wilde Klarsicht ueber die moderne Entfremdung. Nichts ist glatt, alles ist offen. Die Platte hat die Nervositaet eines unter Spannung stehenden Drahtes, der jeden Moment reissen kann, und diese Unberechenbarkeit macht sie so fesselnd wie bedrohlich.
Das Portraet einer Jugend am Limit
Jenseits der Musik zeichnet Damaged das Portraet einer ausgegrenzten Generation, wuetend, erschoepft von einer Welt, die ihr nichts bietet. Die Texte sprechen von Entfremdung, Frustration, ohnmaechtiger Wut, aber auch von Verweigerung, von dem Chaos abgerungener Wuerde. Rollins spielt keine Figur: er verkoerpert diese Not mit einer Intensitaet, die unbehaglich macht. Es ist diese brutale Authentizitaet, dieses voellige Fehlen von Pose, das die Platte heute so kraftvoll macht wie am Tag ihrer Veroeffentlichung. Rollins besingt die Not nicht bloss, er scheint sie live vor dem Mikrofon zu durchleben, und dieser Eindruck von wirklicher, nie vorgetaeuschter Gefahr bleibt einer der grossen Schockmomente der Platte, der bis heute unter die Haut geht.
Die historische Bedeutung von Damaged ist kolossal. Es definierte den Klang und die Haltung des kalifornischen Hardcore, inspirierte unzaehlige Bands und etablierte Black Flag als eine Saeule der Gegenkultur. Die Platte zeigte, dass man zugleich primitiv und tiefgruendig, chaotisch und beherrscht sein konnte. Ohne sie haette ein gewaltiger Teil der Undergroundmusik der folgenden Jahrzehnte nicht in derselben Form existiert. Die unermuedliche Tourethik der Band und ihres Labels verbreitete den Hardcore von einem Ende der Vereinigten Staaten zum anderen und ebnete unzaehligen lokalen Szenen den Weg.
Ein Meisterwerk mit offener Wunde
Heute gehoert, hat Damaged nichts von seiner explosiven Ladung verloren. Es bleibt unbequem, verstoerend, berauschend, genau so, wie es sein soll. Es ist eine Platte, die nicht gefallen will, sondern packen, ruetteln, aufwecken. Einer der absoluten Gipfel des Hardcore Punk, ein Album, das fuer sich allein alles verkoerpert, was das Genre an Radikalem und Notwendigem haben kann. Zu erleben statt zu hoeren, mit geballten Faeusten.




