Wie fasst man eine Band zusammen, die mehrere Universen zugleich zu enthalten scheint? Mit I Against I aus dem Jahr 1986 beantworten Bad Brains die Frage auf die glanzvollste denkbare Weise: indem sie Hardcore, Metal, Reggae und Funk zu einer Platte von verbluffender Virtuositaet verschmelzen. Wo sich so viele Bands mit Tempo begnuegten, fuegen Bad Brains Raffinesse, Groove und eine instrumentale Beherrschung hinzu, die einem noch immer den Mund offen stehen laesst.

Eine Fusion ohnegleichen

Das Talent dieser Band grenzt an eine Anomalie. Dr. Know entfaltet Riffs von seltener Komplexitaet, so schneidend wie gewunden, waehrend die Rhythmusgruppe von Darryl Jenifer und Earl Hudson einen unmoeglichen Groove haelt, faehig, in einem Augenblick vom Hardcore Chaos zur Reggae Geschmeidigkeit zu kippen. Ueber allem bewegt sich HRs Stimme, ein absolutes Chamaeleon, vom Schrei zum Soulgesang mit uebernatuerlicher Leichtigkeit. Nichts klingt wie I Against I, weder davor noch danach. Die dynamischen Kontraste sind frappierend, die Band wechselt von der Ruhe zur Raserei mit einer Goldschmiedpraezision, die auf Stunden unerbittlicher Arbeit schliessen laesst.

Hardcore, zur Kunst geworden

Was die Platte so wichtig macht, ist, dass sie das Feld des Moeglichen erweitert. Bad Brains beweisen, dass Hardcore nicht zur primaeren Brutalitaet verdammt ist, dass er Nuance, Melodie und Ehrgeiz beherbergen kann, ohne etwas von seiner Kraft zu verlieren. Die Produktion, reicher als auf ihren fruehesten Aufnahmen, laesst die Instrumente atmen und stellt diese unglaubliche Palette heraus. Man erlebt eine Band, die ihre eigenen Grenzen und die des Genres verschiebt. Die Band trug stets eine Form positiver Geisteshaltung in sich, und diese spirituelle Energie tritt hier unter der Raserei hervor und verleiht dem Ganzen eine Erhabenheit, die ueber die blosse technische Zurschaustellung weit hinausgeht.

Der Einfluss dieses Albums reicht weit ueber den Hardcore hinaus. Generationen von Musikern, vom Alternative Metal bis zum Rock der Neunziger, haben Bad Brains als Offenbarung genannt. Indem die Band die Genres mit solcher Freiheit mischte, oeffnete sie Tueren, die andere sich nicht einmal vorzustellen wagten. I Against I ist eine jener Platten, die neu bestimmen, was eine Band sein kann. Die Platte erweiterte, was sich eine schwarze amerikanische Punkband kuenstlerisch erlauben konnte, ohne je ihre Kraft oder ihre Identitaet aufzugeben.

Ein unuebertreffbarer Gipfel

Heute gehoert, bewahrt I Against I seine Kraft zu ueberraschen unversehrt. Sein Reichtum offenbart sich bei jedem neuen Hoeren, seine kuehnen Uebergaenge beeindrucken weiter, und seine Energie laesst nie nach. Es ist ein Meisterwerk im vollen Sinne des Wortes, eine Platte, die Technik, Emotion und Vision zu einem Ganzen versammelt, das trotz seines Eklektizismus vollkommen stimmig bleibt. Unbedingt zu kennen, nicht nur als Meilenstein des Hardcore, sondern als Gipfel der Musik ueberhaupt. Bei jedem erneuten Hoeren tritt eine weitere Schicht hervor, ein weiteres im Arrangement verborgenes Detail, und wenige Platten belohnen die Aufmerksamkeit so grosszuegig.