Das fünfte Album von As I Lay Dying, The Powerless Rise, erschien 2010 und setzt den mit An Ocean Between Us eingeschlagenen Weg fort. Die Band aus San Diego treibt ihre technische Präzision noch weiter, mit millimetergenauem Gitarrenspiel und einer schneidenden Produktion, die jede Note hervorhebt. Es ist die Platte einer Gruppe in voller Reife, ihrer Richtung und ihrer Wucht gewiss.

Millimetergenaue Präzision

Die Technik dominiert, ohne die Melodien je zu ersticken. Die Riffs reihen sich mit fast mechanischer Strenge aneinander, getragen von einem chirurgischen Schlagzeug und stets bissigen Gitarrenharmonien. Der klare Gesang, besser eingebunden als früher, bringt eingängige Refrains, die die Brutalität der geschrienen Strophen ausgleichen und die Palette der Band erweitern.

Melodie und Brutalität

Parallels setzt sich als Aushängeschild-Track durch, eine verdichtete Fassung der Identität der Band: Energie, Melodie und makellose Ausführung. Andernorts wechselt das Album zwischen frontalen Angriffen und atmosphärischeren Atempausen und offenbart ein über die Jahre geschärftes Gespür für Dynamik. Das Ganze klingt dicht, sauber und entschieden modern, bis ins kleinste Detail des Arrangements.

Die Kehrseite der Perfektion

Diese Beherrschung hat jedoch eine Kehrseite. Durch schiere Perfektion verliert die Platte etwas von der Wildheit, die den Reiz der Anfänge ausmachte. Alles sitzt an seinem Platz, bisweilen zu sehr, und der Hörer mag ein mutigeres Wagnis oder bewusst roh belassene Kanten vermissen, die manchen Stücken mehr Fleisch gegeben hätten.

Trotzdem: The Powerless Rise ist ein vollendetes, anspruchsvolles und solides Album, das den Status von As I Lay Dying unter den Referenzen des Metalcore bestätigt. Eine Platte des Handwerks, zugeschnitten auf Liebhaber von Präzision und kontrollierter Wucht, die wiederholtes und aufmerksames Hören belohnt.