Das 2010 erschienene Rohnert Park ist eine Angelplatte in der Laufbahn von Ceremony, der kalifornischen Band, die ihren Titel dem Namen ihrer Heimatstadt entnimmt. Nach Anfangen, die in Powerviolence und extremem Hardcore verwurzelt waren, erweitert die Formation hier ihre Palette hin zu einem roheren, direkteren Punk, ohne ihren Biss zu verlieren. Die Platte klingt wie ein atzendes Portrat der Langeweile, der Vorstadt und einer desillusionierten Jugend. Indem sie sich von ihren extremsten Formen entfernt, gewinnt die Band an Lesbarkeit, ohne etwas von ihrer kritischen Ladung zu verlieren.
Das Portrat einer Stadt
Musikalisch bevorzugt Ceremony nun lesbarere Stucke, Riffs, die haften, eine Rhythmik, die die Nervositat des Hardcore bewahrt und zugleich mit dem klassischsten Punk liebaugelt. Der Gesang, giftig und sarkastisch, spuckt eine Verachtung, die ebenso auf die Welt wie auf das Selbst gerichtet ist. Die Band bekennt sich zu einer Form bewusster Hasslichkeit, einer Verweigerung des Komforts, die die Platte dem Punk-Geist zutiefst treu macht. Diese bewusst raue Asthetik ist eine Wahl, eine Art zu behaupten, dass klanglicher Komfort ein Verrat am Anliegen ware.
Zwischen Gewalt und Entgleisung
Die Texte zeichnen das Portrat eines Ortes und einer Geisteshaltung: die Langeweile der kleinen Stadte, die latente Gewalt, das Gefuhl, Gefangener einer Kulisse ohne Horizont zu sein. Rohnert Park wird zur Metapher einer festgefahrenen Jugend, zwischen Wut und Uberdruss. Diese fast dokumentarische Dimension, diese Art, aus einem banalen Ort ein Thema zu machen, verleiht der Platte eine Dichte, die die blosse Stilubung ubersteigt. Die Platte funktioniert wie eine urbane Chronik, eine Folge von Szenen, in denen Langeweile und Wut einander unablassig antworten.
Eine bewusste Wende
Die Platte ist nicht immer bequem: ihre Brutalitat und ihre schlaksige Seite konnen irritieren, und die stilistische Kehre mag einen Teil des fruhen Publikums gespalten haben. Doch gerade dieses Risiko macht ihren Wert aus. Ceremony weigert sich, sich zu wiederholen, und diese kreative Unruhe kundigt bereits die radikaleren Wandlungen an, die die Band danach vollziehen wurde. Indem sie diese Wende nimmt, nimmt die Band in Kauf zu missfallen, um einer Forderung nach Erneuerung treu zu bleiben.
Rohnert Park steht schliesslich als wichtiger Meilenstein, der Moment, in dem Ceremony eine Identitat jenseits seiner extremsten Wurzeln behauptet. Es ist eine nervose, intelligente Platte, durchzogen von einer bitteren Ironie, die sie von der Masse abhebt. Wer die Entwicklung der Band verfolgt, fur den markiert sie eine wesentliche Wende, die einer Formation, die sich weigert, erstarrt zu bleiben. Es ist ein Album, das jene belohnt, die der Band durch ihre Wandlungen folgen, statt jener, die eine Wiederholung erwarten. Es kundigt bereits eine Band an, die unfahig ist stillzustehen, stets bereit, die eigenen Gewissheiten zu sabotieren, um weiterzugehen. Genau darin liegt der Reiz einer Band, die das Risiko der Bequemlichkeit vorzieht.




