Manche Albumtitel klingen wie Schwuere. Don’t Forget the Struggle Don’t Forget the Streets aus dem Jahr 1988 ist einer davon: die Warzone Platte ist ein Ruf der Treue zur Strasse, zur Szene, zum urspruenglichen Geist des New Yorker Hardcore. Getragen von der sinnbildlichen Figur Raybeez, atmet diese Platte die Authentizitaet einer Band, fuer die Musik nie ein Spiel war, sondern eine Art, zu ueberleben und aufrecht zu bleiben. Es ist ein Stueck gelebter Szenegeschichte, festgehalten auf Band.
Die Strasse als Religion
Was an dieser Platte auffaellt, ist ihre rohe Ehrlichkeit. Warzone suchen weder Virtuositaet noch Raffinesse: die Band spielt einen direkten Hardcore, geschnitten fuer Einheit und Bewegung, mit einer bewussten Schlichtheit. Die Riffs sind wirkungsvoll, die Tempi mitreissend, und das Ganze strahlt eine brueederliche Waerme aus, die den Mangel an Verfeinerung mehr als wettmacht. Man spuert eine Band, die fuer ihre Gemeinschaft spielt, bevor sie fuer sich selbst spielt. Die Refrains sind darauf angelegt, im Chor zurueckgerufen zu werden, von einer bewussten Schlichtheit, die jedes Stueck in eine von einem ganzen Saal geteilte Parole verwandelt.
Einheit ueber alles
Warzones Texte kreisen um Themen, die die Szene stets gepraegt haben: Einheit, Loyalitaet, das Gedaechtnis der Urspruenge, die Weigerung, zu verleugnen, woher man kommt. Raybeez singt mit der rauen Stimme eines Mannes der Strasse, ohne Kunstgriff, mit einer Aufrichtigkeit, die Respekt abnoetigt. Das ist kein theoretischer Diskurs: es ist gelebte Erfahrung, ein Leben am Rand, in kollektiven Gesang verwandelt. Diese Authentizitaet ist das wahre Herz der Platte. Was die Band an Verfeinerung verliert, gewinnt sie an Glaubwuerdigkeit zurueck: man zweifelt keine Sekunde daran, dass diese Lieder von einem wirklich gelebten Leben sprechen, mit seinen Narben und seinem Stolz, und das wiegt schwerer als jede Technik.
Historisch nehmen Warzone einen besonderen Platz im NYHC ein. Die Band verkoerperte den Geist der New Yorker Skinhead Szene in dem, was sie an Solidarischem und Brueederlichem hatte, und trug eine Botschaft der Einheit ueber die Spaltungen hinaus. Diese Platte ist ein kostbares Zeugnis davon, ein Dokument ueber eine Epoche und eine Geisteshaltung. Sie hat vielleicht nicht die Reichweite gewisser Klassiker des Genres, doch sie traegt deren Seele mit einer unbestreitbaren Aufrichtigkeit. Raybeez war eine verbindende Figur der Szene, und seine Praesenz verleiht der Platte eine moralische Autoritaet, die weit ueber ihre rein musikalischen Qualitaeten hinausreicht.
Ein aufrichtiges Zeugnis
Heute gehoert, bleibt Don’t Forget the Struggle Don’t Forget the Streets eine liebenswerte Platte, unvollkommen, aber zutiefst ehrlich. Ihre gealterte Produktion und ihre relative Schlichtheit moegen den anspruchsvollen Hoerer bremsen, doch ihr Herz schlaegt noch am richtigen Ort. Es ist ein Album, das von Treue spricht und sie durch seine blosse Existenz beweist. Ein kleiner, aber kostbarer Eckstein des New Yorker Hardcore, zu hoeren, um den Geist einer Szene ebenso zu verstehen wie fuer die Musik.





