Wenige moderne Hardcore Bands bekennen sich zu ihrer politischen Dimension so offen wie Stray from the Path. Aus Long Island im Bundesstaat New York kommend, machte die Formation den sozialen Protest zu ihrem Markenzeichen, getragen von einem groovigen und schneidenden Klang. Only Death Is Real, erschienen 2017, setzt diesen Weg mit ungebrochener Überzeugung fort, eine Platte, die ebenso durch ihre Riffs wie durch die Ladung ihrer Texte trifft, ohne je die musikalische Geste von der Aussage zu trennen. Es erscheint am Ende der zwanzigzehner Jahre, in einem gespannten gesellschaftlichen Kontext, der seinen Texten eine unmittelbare Resonanz verleiht, und es bestätigt den besonderen Platz, den die Band in einem oft eher zum Zuschlagen als zum Nachdenken geneigten Hardcore einnimmt.
Groove im Dienst des Zorns
Musikalisch pflegt die Band einen Ansatz, der einer langen Tradition des Protestrock entstammt, in der das synkopierte Riff und der wiegende Rhythmus zu Waffen werden. Die Gitarren beißen, der Bass pulsiert, und das Ganze lädt ebenso zur Bewegung wie zur Auflehnung ein. Diese groovige, phasenweise fast tanzbare Dimension hebt Stray from the Path von einem frontaleren Hardcore ab und verleiht ihnen eine sofort erkennbare Identität. Der skandierte Gesang verstärkt diese gehämmerte Energie, zwischen Parole und Schmähung.
Eine engagierte Aussage
Das Herz der Platte liegt in ihren Texten. Die Band greift die soziale Ungerechtigkeit, den Machtmissbrauch, die Verirrungen ihrer Zeit an, mit einer Offenheit, die keinen Raum für Mehrdeutigkeit lässt. Diese frontale Dimension kann spalten, manche werden eine Pose sehen, andere eine Notwendigkeit, doch die Aufrichtigkeit des Engagements lässt kaum Zweifel. Die Platte bekennt sich voll zu ihrer Funktion als Tribüne und macht aus jedem Stück eine Stellungnahme.
Ein Hardcore seiner Zeit
Only Death Is Real fügt sich in einen modernen, sorgfältig produzierten Hardcore ein, der Wirkung und Klarheit bevorzugt. Die sehr wirksame Formel mag jenem, der die Band gut kennt, einen Eindruck von Vertrautheit geben, doch sie funktioniert mit furchterregender Beständigkeit. Das Album sucht nicht die formale Überraschung, es zielt auf maximale Wirksamkeit im Dienst einer klaren Botschaft.
Mit dieser Platte bestätigt Stray from the Path seinen Platz unter den politischen Stimmen der zeitgenössischen Hardcore Szene. Es ist keine radikale Wende in ihrem Werdegang, eher eine erneuerte Bekräftigung ihrer Identität. Für den Hörer auf der Suche nach einer Musik, die körperliche Kraft mit kritischem Bewusstsein verbindet, bietet Only Death Is Real ein anregendes Hörerlebnis, eine Erinnerung, dass Hardcore noch als Sprachrohr der Auflehnung dienen kann. Eine frontale, aufrichtige und ihrer Linie vollkommen treue Platte. Es sucht weder allen zu gefallen noch die Kanten abzurunden, und genau das macht es glaubwürdig. In einer Landschaft, in der sich das Engagement bisweilen in Pose auflöst, erinnert Stray from the Path daran, dass Musik noch Ideen tragen kann und dass der Zorn, gut kanalisiert, ein gewaltiger schöpferischer Motor bleibt.





