Mit weißem Tuch maskiert, aus Prinzip anonym, haben sich die Portugiesen von Gaerea binnen weniger Jahre als eine der aufstrebenden Kräfte des europäischen Black Metal durchgesetzt. Fern von jeder satanischen Folklore stellt die Band ihre Musik in den Dienst einer Erkundung des menschlichen Leidens, der Angst und der Verzweiflung der Gegenwart. Mirage bestätigt diese aufsteigende Bahn und verfeinert eine bereits furchterregend wirksame Formel.
Die Kritik (ein Durchschnitt von 83 über acht Rezensionen) lobt die emotionale Intensität der Platte und ihre Fähigkeit, die Gewalt des modernen Black Metal mit einem melodischen Sinn zu verbinden, der bisweilen an den Post-Metal grenzt. Gerühmt werden die Wucht der gesanglichen Darbietung, wundgerieben bis zum letzten Atemzug, und eine massive Produktion, die die Schlagkraft vervielfacht.
Musikalisch schreitet Mirage in Wellen voran: Die Brandungen aus Blastbeats und Tremolos wechseln mit ergreifenden melodischen Steigerungen, mit beinahe kathartischen Refrains, in denen der Schmerz zum Gesang wird. Gaerea hat begriffen, dass die Wucht nur dann etwas gilt, wenn sie durch den Kontrast erhöht wird, und schafft in ihrem Chaos Atempausen, die dessen Ladung verstärken.
Der wiederkehrende Vorwurf betrifft eine gewisse Einförmigkeit des Tons: Indem alles auf höchster Intensität gespielt wird, läuft die Platte bisweilen Gefahr zu ermüden, und man hätte sich mehr dynamische Nuancen gewünscht. Diese Verschwendung an Energie, so mitreißend sie ist, stumpft am Ende ihre eigene Kraft ab.
Fazit: 8/10. Eine viszerale und beherrschte Platte, die Gaerea als eine sichere Größe des zeitgenössischen Black Metal bestätigt, wenn sie dessen Regeln auch noch nicht umstürzt.



