Fiddlehead nimmt im zeitgenössischen melodischen Hardcore eine besondere Stellung ein. Diese amerikanische Band vereint Musiker aus angesehenen Formationen der Szene, und Sänger Patrick Flynn entfaltet ein Schreiben von seltener emotionaler Dichte. 2021 veröffentlicht, setzt Between the Richness die Arbeit an Trauer und Weitergabe fort und vertieft sie, die die gesamte Laufbahn der Band durchzieht, mit ungebrochener Dringlichkeit und einer neuen Zärtlichkeit.

Verlust und Geburt im selben Atemzug

Das Herz des Albums liegt in einer fruchtbaren Spannung: auf der einen Seite die Trauer um den Vater, auf der anderen die Ankunft der Vaterschaft. Dieser Zusammenstoß von Tod und Leben, von dem, was geht, und dem, was beginnt, durchtränkt jeden Song. Flynn besingt den Schmerz nicht, um sich in ihm zu suhlen, sondern um ihn zu verwandeln, um in der Trauer eine Form der Kontinuität zu suchen. Das Ergebnis ist erschütternd, ohne je rührselig zu sein, getragen von einer Aufrichtigkeit, die Pose und Bequemlichkeit gleichermaßen verweigert.

Ein leuchtender Hardcore

Musikalisch vermählt die Band die Energie des melodischen Hardcore mit einer fast poppigen Leuchtkraft. Die Gitarren klingen klar und hell, mit jenem Indierock-Korn, das mildert, ohne zu schwächen. Die Tempi sind flink, die Refrains offen, gemacht, um aus voller Kehle mitgesungen zu werden. Flynns Stimme, zerfranst, warm, stellenweise fast gesprochen, trägt die Worte mit körperlicher Überzeugung. Man spürt eine Band, die schnell spielt, aber weit denkt, die Wucht in den Dienst des Sinns stellt und nicht der bloßen Intensität.

Die Ökonomie der Geste

Was Between the Richness so liebenswert macht, ist seine Ökonomie. Die Songs sind kurz, kompakt, ohne Fett und ohne überflüssige Länge. Die Platte fliegt vorbei, doch jede Sekunde zählt, jeder Anstieg findet seine Rechtfertigung. Diese Knappheit verstärkt die emotionale Wirkung: Man hat keine Zeit, müde zu werden, man wird ergriffen und dann losgelassen, ehe man sogleich zurückkehrt. Es ist ein Album, das man in Schleife hört, nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es bei jedem Durchgang eine neue Tür öffnet, eine Nuance, die man zuvor nicht gehört hatte. Diese Kürze ist nie eine Bequemlichkeit: Sie zwingt die Band, zu schneiden, nur das Wesentliche zu behalten, ein ganzes Leben in zwei Minuten Lärm und Melodie zu fassen. Das Ergebnis ist eine Platte, die hart und schnell zuschlägt, ohne je den Eindruck zu erwecken, die Emotion, die sie trägt, überstürzt zu haben.

Mit dieser Platte bestätigt Fiddlehead, eine der wahrhaftigsten Bands ihrer Generation zu sein, fähig, von Tod, Familie und Wiederaufbau zu sprechen, ohne je falsch zu klingen. Between the Richness verwandelt den intimsten Stoff in einen kollektiven Gesang, in eine geteilte Katharsis. Es ist ein Album, das ebenso tröstet wie es erschüttert, das in Tempo und Lärm eine Form von Zärtlichkeit und Licht findet. Selten wirkte Hardcore zugleich so zärtlich und so klarsichtig. Eine Platte, die man ganz nah bei sich behält, für die schweren Tage wie für die anderen.