Als Speed Kills 2020 erschien, klang es wie eine Platte aus einem anderen Jahrzehnt, und genau darin liegt seine Stärke. Dieses Debütalbum der Londoner Chubby and the Gang sucht weder konzeptuelle Tiefe noch geschliffene Produktion: Es stürmt mit gesenktem Kopf in ein lautes Fest, in dem Punk von 1977, Oi! und Rock’n’Roll aufeinanderprallen. In weniger als einer halben Stunde brennt die Band alles nieder, was sie berührt, ohne je zu vergessen, einen Refrain zu setzen, der tagelang im Kopf bleibt.

Ein Zusammenstoß aus Tempo und Melodie

Was zuerst auffällt, ist das Verhältnis von Dringlichkeit und Klarheit. Die Tempi werden oft in halsbrecherischem Tempo abgefeuert, das Schlagzeug hämmert, als bliebe keine Zeit, und dennoch trägt jeder Song dank solidem Songwriting für sich. Die Band kennt ihre Klassiker: Man hört den Schatten früher englischer Punkplatten, die Prahlerei der Pubs, das Zittern des Hardcore, aber auch einen fast poppigen Instinkt für den Hook. Diese Spannung zwischen Brutalität und melodischem Sog gibt der Platte ihren Charakter, weit entfernt von einer bloßen Nostalgieübung. Man spürt hier einen ansteckenden Jubel, den von Musikern, die spielen, als könnte jedes Konzert das letzte sein, und diese Dringlichkeit durchströmt noch die kleinste Sekunde der Platte, ohne je an Kraft zu verlieren.

Die Stimme und die Wut

Der Gesang, rau und keck, trägt das Ganze mit einer Aufrichtigkeit, die nie vorgibt. Die Texte handeln vom Arbeiterleben, von grauen Städten, alltäglichem Frust und Freundschaft, ohne je in Pose zu verfallen. Es gibt Wut, ja, aber auch eine unerwartete Zärtlichkeit, besonders wenn die Gruppe verlangsamt und eine raue Ballade inmitten des Chaos atmen lässt. Diese Verschnaufpausen brechen den Schwung nicht, sie erinnern daran, dass hinter der aggressiven Fassade eine echte Liebe zum Song steckt.

Ein erster Wurf voller Versprechen

Nicht alles ist perfekt, und das ist gut so. Die bewusst rohe Produktion kann ungeschliffen wirken, fast selbstgemacht, und manche Stücke rauschen so schnell vorbei, dass man sie beim ersten Hören kaum wahrnimmt. Doch diese Unvollkommenheit gehört zum Reiz: Speed Kills atmet die Authentizität einer Band, die aus Freude spielt, nicht zur Zurschaustellung von Können. Man spürt Musiker, die Spaß haben, die schwitzen, die an das glauben, was sie tun. Man muss auch dieses eilige Format hinnehmen, diese Stücke, die aufblitzen und fast verschwinden, ehe man sie festhalten kann, was bedeutet, mehrfach zu ihnen zurückzukehren, um ihren ganzen Geschmack zu erfassen, und darin liegt letztlich ein eigener Reiz.

Am Ende behauptet sich diese Platte als eines der belebendsten Debütalben ihrer Generation in der britischen Punk- und Hardcore-Landschaft. Sie erfindet nichts neu, doch sie erinnert glänzend daran, warum diese Musik existiert: für die geteilte Wut, für die im Pulk gebrüllten Refrains, für dieses Gefühl, für ein paar elektrische Minuten lebendig zu sein. Chubby and the Gang liefern eine Absichtserklärung, so laut wie jubelnd, die vor allem Lust macht, alles von vorn zu beginnen. Ein freundschaftlicher Schlag, aber ein Schlag bleibt es.