2003 veröffentlichten Bleeding Through This Is Love, This Is Murderous, ein Album, das die Energie der Metalcore-Szene von Orange County bündelt und zugleich mit einer eigenwilligen Schwärze färbt. Die kalifornische Band bekennt sich zu einer Ästhetik, in der Hardcore-Gewalt an eine fast gotische Kälte grenzt, getragen von Keyboardflächen, die im Hintergrund spuken und der Platte eine erkennbare Farbe geben. Es ist eine Platte der Wut, doch einer in Schatten gekleideten Wut, die die schlichte Mechanik des Breakdowns zugunsten einer echten Atmosphäre verweigert.

Wenn Hardcore auf Black Metal trifft

Was Bleeding Through von vielen Zeitgenossen abhebt, ist der unverhohlene Einsatz von Elementen aus dem Black Metal: eisige Tremolos, sinfonische Keyboards, ein Gespür für das Tragische. Die Gitarren wechseln zwischen schneidenden Riffs und melodischeren Linien, während das Schlagzeug Blastbeats und brutale Brüche mit schöner Präzision verkettet. Der überzeugt geschriene Gesang trägt eine emotionale Ladung, die gratis Aggression zugunsten von etwas Gequältem, fast Verzweifeltem meidet. Diese Spannung zwischen Wut und Melancholie durchtränkt das Ganze und bewahrt es davor, in die Routine des Genres zu versinken.

Eine Atmosphäre der Verzweiflung

Schon der Titel des Albums kündigt seine Doppeldeutigkeit an: Liebe und Mord, Zärtlichkeit und Zerstörung. Die Stücke spielen mit diesem Kontrast und stellen der Wut der Riffs melancholische Atempausen gegenüber, die den Hörer in der Schwebe lassen. Diese theatralische Dimension hätte in Kitsch abgleiten können, doch die Band behält einen Hardcore-Anker, fest genug, um glaubwürdig zu bleiben. Man spürt eine Jugend, die ihre Qualen ungefiltert ausschüttet, mit der Dringlichkeit derer, die etwas zu beweisen haben und keine Zeit zu verlieren. Die rohe Aufrichtigkeit wiegt die wenigen Jugendunreinheiten reichlich auf.

Eine prägende Platte ihrer Szene

Die Produktion stellt eine kompakte Klangmasse in den Vordergrund, mitunter auf Kosten der Details, doch stimmig zum Vorhaben: Sie zielt auf Wucht und das Eintauchen in ein bedrückendes Klima statt auf chirurgische Feinheit. Manche Passagen streifen die Überladung, schichten Ebene auf Ebene, bis der Raum sättigt, doch diese Großzügigkeit nährt den etwas überbordenden Reiz des Ganzen, so typisch für seine Zeit. This Is Love, This Is Murderous half, Bleeding Through unter den Namen zu verankern, die im Metalcore der frühen 2000er zählten.

Ohne das Genre zu revolutionieren, bietet die Platte eine dunklere und atmosphärischere Variante und öffnet eine Bresche, die andere später erkunden sollten. Im Rückblick behält sie eine echte emotionale Kraft, auch wenn Produktion und manche Strukturen ihr Alter verraten. Sie bleibt ein wertvolles Zeugnis eines Moments, in dem der Metalcore sich in trübere, weniger konsensfähige Gefilde wagte. Wer die Verschmelzung von Hardcore-Wut und fast grabnaher Ästhetik schätzt, findet in dieser Platte einen unbestreitbaren Reiz und eine Aufrichtigkeit, die Respekt abnötigt. Es bleibt ein Werk, das seine Wunden offen zeigt und gerade in dieser Ungeschütztheit überzeugt, auch wenn die Jahre seither manche Ecke ein wenig verstaubt erscheinen lassen.