Amon Amarth muss man nicht mehr vorstellen. Seit Mitte der neunziger Jahre hat die schwedische Band ein Imperium auf einer einfachen, aber unaufhaltsamen Idee errichtet: die Wikinger, ihre Götter und ihre Schlachten über einem melodischen Death Metal zu besingen, der darauf angelegt ist, die Massen zu erheben. The Great Heathen Army, ihr zwölftes Album, setzt diese Eroberung fort, ohne auch nur einen Zoll vom ausgeschilderten Weg abzuweichen, der ihren Erfolg begründete.

Die Kritik, eher wohlwollend (78 im Schnitt bei neun Besprechungen), würdigt die furchterregende Wirksamkeit einer mittlerweile perfekt eingespielten Formel. Die martialischen Riffs, die heroischen Harmonien, das höhlenhafte Growling von Johan Hegg und jene Refrains, die zum Skandieren mit erhobener Faust bestimmt sind, sind zur Stelle. Gelobt wird eine Handvoll unaufhaltsamer Stücke, zugeschnitten auf die gewaltige Bühnenmaschinerie der Band.

Musikalisch bekennt sich das Album voll und ganz zu seinem Klassizismus. Amon Amarth sucht weder Feinheit noch Nuance: Man zielt auf Wucht, auf das Epische, auf den frontalen Angriff. Die kolossale Produktion verwandelt jeden Titel in eine Stadionhymne, jeden Refrain in einen Aufruf zum Kampf. Es ist ein Metal des Spektakels, großzügig und ohne Hintergedanken, der sein Publikum bestens kennt.

Doch diese Treue zum Kanon hat ihre Kehrseite. Indem Amon Amarth Album um Album dasselbe Rezept wiederholt, verfällt die Band in eine Vorhersehbarkeit, die am Ende die Begeisterung abstumpft. The Great Heathen Army hält keine Überraschung bereit, und der anspruchsvolle Hörer wird das Ausbleiben jedes Wagnisses bedauern. Die Band wiederholt sich, mit Bravour, aber sie wiederholt sich.

Ein robustes, verbindendes Album, zugeschnitten auf die Bühne und auf die Getreuen. Wirksam bis zur Routine, doch in seiner Aufrichtigkeit nicht zu erschüttern. Fazit: 7.5/10.