1992 bei Columbia erschienen, ist Dirt das zweite Album von Alice in Chains und eine der dunkelsten Platten, die aus der Szene von Seattle hervorgingen. Wo andere Bands Wut und Melodie mischten, zieht das Quartett eine schwerere, langsamere, giftigere Furche. Es ist ein Album, das nicht beruhigen will und das Leiden zu seinem zentralen Thema macht, ohne je zu versuchen, es zu versussen.
Das Gewicht einer Atmosphare
Der Klang von Dirt ruht auf den massiven Gitarren von Jerry Cantrell und auf verlangsamten Tempi, die ebenso an Metal wie an bleiernen Blues denken lassen. Die Gesangsharmonien zwischen Cantrell und Layne Staley, so eigen, geben der Platte ihre Signatur: zwei Stimmen, die sich kreuzen, erganzen und gegenseitig verschleiern. Dieser gemeinsame Klang wird zu einem der erkennbarsten Elemente der Band.
Die Rhythmusgruppe mit Mike Starr am Bass und Sean Kinney am Schlagzeug bevorzugt Gewicht vor Geschwindigkeit. Jedes Stuck scheint unter einer Bleiplatte voranzukommen, was das Gefuhl der Enge verstarkt, das das Album durchzieht, und ihm seine erstickende Atmosphare verleiht.
Heimgesuchte Lieder
Die Themen Sucht, Depression und Schmerz kehren unumwunden wieder. Would? hinterfragt das Urteil uber jene, die fallen, Down in a Hole druckt eine intime Verzweiflung aus, wahrend Them Bones und Dam That River die Platte mit nervoser Spannung eroffnen, die sofort den Ton angibt.
Rooster nimmt einen Sonderplatz ein: Das Lied ruft Cantrells Vater und seine Erfahrung im Vietnamkrieg hervor und bringt eine emotionale Ladung, die uber die blosse personliche Erzahlung hinausgeht. Diese rohe Aufrichtigkeit ist einer der Motoren der Platte und erklart die Wucht ihrer Wirkung.
Ein zeitloser Klassiker
Dirt setzte sich als Gipfel des Grunge und als Zugangstor zu einem introspektiveren Metal durch. Seine bekannte Dunkelheit lasst es nicht altern, sondern macht es zu einem Objekt von seltener Intensitat, gehort und zitiert von Generationen von Horern, die darin eine rohe Wahrheit erkennen.
Das Album markiert ausserdem die letzte volle Mitwirkung von Mike Starr, was ihm ruckblickend eine besondere Dimension verleiht. Doch jenseits seiner Geschichte besteht Dirt durch seine absolute Koharenz: Selten hat eine Band Schmerz in eine so kraftvolle und beherrschte musikalische Materie verwandeln konnen.
Drei Jahrzehnte spater bleibt es eine unumgangliche Referenz, eine Platte, die man nie leichtfertig hort. Ihre Starke liegt in dieser Verweigerung der Selbstgefalligkeit, in dieser Art, der Dunkelheit zu begegnen, ohne je in ihr zu schwelgen oder ihre Reichweite abmildern zu wollen.

