Das 2002 erschienene Alive or Just Breathing ist das zweite Album von Killswitch Engage und eine der Gründungsplatten des modernen Metalcore. Die Band aus Massachusetts vollendet hier die Verschmelzung der Wucht des Metal mit der Melodie und legt eine Vorlage vor, die ein ganzes Jahrzehnt an Bands prägen sollte. Es ist auch das letzte Album mit Sänger Jesse Leach vor seinem ersten Ausstieg, was ihm eine besondere Aura in der Geschichte der Band und des gesamten Genres verleiht.
Ein Fundament des Metalcore
Das Rezept der Platte liegt in ihrer Balance: massive Riffs, geerbt vom schwedischen melodischen Death Metal, vermählen sich mit hellen gesungenen Refrains und einer beständigen Hardcore-Energie. Die von Adam Dutkiewicz besorgte Produktion klingt klar und kraftvoll und rückt jedes Element ins Licht, ohne das Ganze je zu ersticken. Die Band findet den genauen Gleichgewichtspunkt zwischen Aggression und Zugänglichkeit, zwischen der Schwere der Strophen und dem Aufschwung der Refrains, ein Maß, das zum Markenzeichen eines ganzen Teils der Szene werden sollte.
Die Balance aus Wucht und Melodie
Jesse Leach erweist sich hier als bemerkenswerter Sänger, fähig, vom wunden Schrei zu beseelten, aufbauenden Melodien zu wechseln. Seine auf Introspektion, Hoffnung und Widerstandskraft ausgerichteten Texte stechen von der üblichen Düsternis des Genres ab und verleihen der Platte eine fast erlösende Dimension. Stücke wie My Last Serenade und Fixation on the Darkness sind zu Klassikern geworden, aufgegriffen und zitiert von unzähligen Bands in ihrem Gefolge, ein Beweis für den erheblichen Einfluss dieses Albums.
Ein Klassiker als Blaupause
Im Rückblick mögen manche Mittel heute sehr ausgetreten wirken, so stark wurde diese Platte danach nachgeahmt, dass sie heute mitunter beinahe gewöhnlich erscheinen kann. Doch gerade weil sie die Codes des Genres definiert hat, behält sie ihre ganze Kraft und ihren Status als Referenz: Was heute konventionell wirkt, war damals zutiefst neuartig und gewagt.
Alive or Just Breathing bleibt ein unumgänglicher Meilenstein des Metalcore, eine Platte, die zugleich wild und leuchtend ist. Mehr als zwanzig Jahre später hat sie nichts von ihrer Wucht eingebüßt und bleibt eine wesentliche Hörerfahrung, ebenso zum Verständnis der Entwicklung des extremen Metal wie zum reinen Genuss präzise geschliffener Riffs und Refrains.








