2001 erschienen, ist Lateralus das dritte Studioalbum von Tool und wohl jenes, auf dem das kalifornische Quartett seinen progressiven Ehrgeiz voll annimmt. Fern von Knappheit entfaltet die Platte fast achtzig Minuten Musik, gebaut wie eine lange Reise, in der die Wut der Anfange einer geduldigen Suche nach Textur, Zyklus und Atem weicht. Es ist ein Werk, das sich Zeit zum Entfalten nimmt und jede Form von Hast verweigert.
Eine als Ritual gedachte Architektur
Tool arbeitet mit der Dauer, wie es sich wenige Bands trauen. Die Stucke dehnen sich, falten sich zuruck, kehren zu ihren Motiven zuruck. Danny Careys Schlagzeug webt asymmetrische Takte von bemerkenswerter Leichtigkeit, wahrend Justin Chancellors Bass dem Klang seine flussige, schnurrende Tiefe verleiht. Das Ganze schreitet in Wellen voran und wechselt zwischen ansteigender Spannung und langen kontemplativen Passagen.
Der Gesang von Maynard James Keenan wird hier eher meditativ als aggressiv. Er verschmilzt mit den Arrangements und fuhrt den Horer durch geduldige Ubergange, statt den sofortigen Refrain zu suchen. Die Gitarre von Adam Jones bevorzugt Textur und hypnotisches Motiv gegenuber der Zurschaustellung, was der Platte ihren immersiven Charakter gibt.
Zahl und Atem
Das Titelstuck ist das Herz der Platte. Seine Struktur spielt mit der Fibonacci-Folge, vor allem in der Gesangsphrasierung, deren silbische Aufteilung einer numerischen Progression folgt. Weit entfernt von einem blossen Spiel gibt dieses Prinzip dem Stuck ein Gefuhl von Spirale, einen Anstieg, der sich in sich zuruckfaltet und sich nie ganz zu schliessen scheint.
Daneben setzt Schism seine verschlungene rhythmische Schreibweise durch, und Parabola entfaltet eine leuchtende Intensitat. Diese Stucke zeigen eine Band, die formale Komplexitat mit direkter emotionaler Wirkung verbinden kann, ohne je das eine dem anderen zu opfern.
Ein Gipfel des Progressive Metal
Lateralus definierte dauerhaft neu, was ein ehrgeiziges Metal-Album sein konnte. Es verweigert das Radioformat, verlangt vom Horer ein durchgehendes Horen und belohnt Geduld mit seltener Dichte. Die Platte nahrte Generationen von Musikern, die an der Idee hangen, dass Schwere mit Subtilitat koexistieren kann.
Zwanzig Jahre spater bewahrt das Album seine Aura. Es hat nichts von seiner Kraft verloren, einen hineinzuziehen, zu verwirren und dann seine Spannungen aufzulosen. Jedes Horen scheint eine weitere Schicht zu offenbaren, als bewahre das Werk stets einen Teil Geheimnis.
Durch seine Koharenz und seine Ablehnung der leichten Wege bleibt Lateralus eine unumgangliche Referenz, ein Werk, das man am Stuck hort. Wenige Platten dieses Ausmasses verbinden intellektuellen Anspruch und reine korperliche Empfindung so gut, und dieses doppelte Gesicht sichert seine Langlebigkeit.








