Wenige Alben tragen eine so legendare Geschichte wie Dopesmoker von Sleep. In den 1990ern aufgenommen, aber erst 2003 in voller Lange veroffentlicht, besteht diese Platte des kalifornischen Trios aus einem einzigen, etwa einstundigen Stuck. Ein monolithisches Werk, damals von dem Major abgelehnt, der es in Auftrag gegeben hatte, seither zum absoluten Mythos des Stoner und Doom geworden, ein Kultobjekt fur jeden, der totale Schwere liebt. Selten hat eine Band ihre unmittelbare Karriere so vollstandig einer kompromisslosen kunstlerischen Vision geopfert, und gerade diese Unnachgiebigkeit begrundet die Legende der Platte.
Ein Stuck, eine klangliche Pilgerreise
Die Idee ist so schlicht wie radikal: ein Riff, uber mehr als sechzig Minuten entfaltet und wiederholt, wie eine rituelle Trance. Sleep verwandeln die Dauer in eine mystische Erfahrung, einen hypnotischen Marsch, in dem sich die Zeit dehnt, bis jeder Anhaltspunkt verlorengeht. Die Komposition schreitet langsam voran, in Wellen, jede Variation setzt die vorige fort, ohne je die Hypnose zu brechen, die sich von den ersten Takten an einstellt.
Al Cisneros, Matt Pike und Chris Hakius erreichen eine Art Vollkommenheit in meditativer Schwere, zwischen extrem verlangsamtem Black Sabbath und psychedelischem Gebet. Das Trio spielt keine Lieder: es zelebriert einen Gottesdienst, in dem die Wiederholung die Liturgie und die Lautstarke das Sakrament vertritt.
Das Evangelium des Riffs
Der Text erzahlt von der Pilgerfahrt der Weedians zu einem heiligen Land, in einer Bildwelt, in der Cannabis zu einer eigenen Religion wird. Der beruhmte Aufruf, das Leben mit einer Pfeife in der Hand hinter sich zu lassen, fasst den ganzen Geist der Platte zusammen: Weltentsagung, Kult von Klang und Rauch, Suche nach Ekstase durch Langsamkeit und Gewicht.
Dieser kosmische Humor mindert nie den Ernst des Unterfangens: Dopesmoker ist eine echte Zeremonie, ein musikalischer Glaubensakt. Hinter dem Augenzwinkern verbirgt sich eine absolute Aufrichtigkeit, die von Musikern, die uberzeugt sind, dass das Riff die Tore einer Transzendenz offnen kann.
Ein zum Klassiker gewordener Mythos
Vom Label abgelehnt, das es in Auftrag gegeben hatte, hatte das Album in dieser Form fast nicht existiert, Opfer eines volligen Missverstandnisses zwischen der Industrie und dem Ehrgeiz der Band. Die spate Veroffentlichung verlieh ihm Kultstatus, heute verehrt als einer der Gipfel des Stoner Doom. Sein Einfluss auf Om, die Cisneros spater grundete, und auf die ganze Szene ist immens.
Fordernd, extrem in seiner Lange, belohnt Dopesmoker Geduld mit totaler Immersion, einer Reise, aus der man nicht ganz unverandert zuruckkehrt. Man kann ihn nicht jedem empfehlen: seine radikale Form schreckt ungeduldige Horer ab, und er verlangt eine ungewohnliche geistige Offenheit. Doch wer bereit ist, sich darin zu verlieren, dem offnet er einen Klangraum von einer Weite, die wenige Werke erreicht haben. Ein klanglicher Monolith seinesgleichen, so strapazios wie faszinierend, der die Definition von Schwere fur immer verandert hat. Wertung: 9.








