Das zweite Album der Band aus Buffalo, Hot Damn!, erscheint 2003 und etabliert Every Time I Die als einen der lebendigsten Namen des amerikanischen Hardcore. Die Platte quillt über von ansteckender Energie und mischt Southern-Rock-Riffs, Mathcore-Brüche und ein permanentes Hardcore-Knurren. Es ist ein nervöser Wirbel, voller Schweiß und Witz, der die Feierlichkeit zugunsten von Bewegung und einem knirschenden Lachen verweigert, als hätte die Band beschlossen, ein Hardcore-Stück könne ebenso zum Tanzen wie zum Zuschlagen bringen und nichts zwinge sie zur Wahl.

Der Süden im Hardcore

Was die Band sofort abhebt, ist die Art, Southern-Groove in eine Hardcore-Struktur zu spritzen. Die Gitarren gleiten, wiegen sich, springen und bieten eine im oft frontalen Genre seltene Elastizität. Der Gesang von Keith Buckley strotzt vor Persönlichkeit, wechselt zwischen Schreien und ironiegetränkten Deklamationen, mit einem Gespür für die pointierte Zeile, das zum Markenzeichen werden sollte. Man spürt eine schelmische Intelligenz hinter der Wut, eine Vorliebe für Wortspiel und das unerwartete Bild, die den Texten einen literarischen Beigeschmack verleiht, wie er in der Szene viel zu selten ist.

Ein gemeißeltes Songwriting

Unter dem scheinbaren Chaos verbirgt sich eine echte Beherrschung des Aufbaus. Die Stücke verketten Ideen in hohem Tempo, doch jede findet ihren Platz, getragen von abrupten Übergängen und schlagkräftigen Breaks. Die Band spielt mit der Erwartung des Hörers und schiebt langsamere oder groovigere Passagen mitten in den Ansturm, was jede Monotonie vermeidet. Diese Vielfalt verleiht der Platte einen Reichtum, der wiederholtes Hören belohnt und jedes Mal ein rhythmisches Detail oder einen Gitarrenkniff offenbart, der beim vorigen Mal unbemerkt vorbeigezogen war.

Ein Meilenstein des modernen Hardcore

Die rohe, aber hinreichend klare Produktion bewahrt die Live-Energie, die den Ruf der Band begründete: Man hört den Schweiß der Sessions, die Dringlichkeit der Takes, ohne je die Lesbarkeit der Riffs zu opfern. Diese Entscheidung passt perfekt zum Geist des Projekts, ein Adrenalinstoß, auf Band gebannt, mit gerade genug Schmutz, um authentisch zu bleiben. Hot Damn! half, eine bestimmte Vorstellung vom Hardcore der frühen 2000er zu prägen, offener, groovender, geistreicher, und prägte eine ganze Generation nachfolgender Bands.

Diese sahen darin den Beweis, dass man brutal sein konnte, ohne dumm zu sein, wild, ohne sich ernst zu nehmen, eine Freiheit des Tons, die in einem mitunter zu starren Genre selten bleibt. Über die Jahre behält das Album seine Frische und seinen Biss und hat nichts von seiner Kraft verloren, zu elektrisieren, Körper in Bewegung zu setzen, mitten in der Wut ein Lächeln hervorzulocken. Es ist der Klang einer Band auf dem Gipfel ihrer Unverfrorenheit. Wer Hardcore liebt, wenn er vor Leben und Witz überläuft, findet in dieser Platte eine wesentliche Referenz. Es ist eine Platte, die man am liebsten laut und in Gesellschaft erlebt, immer wieder aufs Neue, und die noch heute jede Bühne und jeden Raum in kürzester Zeit zum Kochen bringt.