Colourmeinkindness erschien 2012 in einem besonderen Kontext: Die britische Band Basement aus Ipswich kündigte genau in dem Moment eine Pause an, in dem sie ihre gelungenste Platte ablieferte. Dieses Paradox verleiht dem Album eine eigene Farbe, die eines vorläufigen Abschieds, der die billige Traurigkeit verweigert. Man hört eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Geschlossenheit, in Eile, alles zu sagen, bevor sie verstummt, als spiele sie jede Note im Wissen, dass es die letzte sein könnte.

Grunge als Kompass

Basement schöpft offen aus der Erinnerung an den Alternative Rock der neunziger Jahre, jenen bitteren, melodischen Grunge, der so viele Emo-Bands nährte. Die Gitarren sind dick und gesättigt, doch stets im Dienst des Refrains. Die Stimme, zerfranst und warm, sitzt leicht zurückgenommen im Mix, wie ertränkt in der Klangwand, was den Eindruck einer verhaltenen statt geschrienen Emotion verstärkt. Es ist eine Ästhetik des kontrollierten Verschwimmens, in der die Melodie stets die Verzerrung durchbricht, ohne je zu übertreiben.

Songs, die bleiben sollen

Was Colourmeinkindness auszeichnet, ist die Effizienz des Schreibens. Jeder Titel kommt ohne Umschweife zum Punkt, ohne Fett, mit Refrains, die sich schon beim ersten Hören festkrallen. Die Band wechselt zwischen energischen Vorstößen und schwereren, fast kontemplativen Passagen, ohne je den Faden zu verlieren. Man spürt ein echtes Gespür für Spannung und Entspannung, geerbt ebenso vom Post-Hardcore wie vom dunklen Pop der Neunziger. Das Album ist kurz, dicht und lässt keinen Raum für Füller.

Eine kraftvolle Zurückhaltung

Die Themen kreisen um Verlust, Zweifel und Bindungen, die dünner werden, doch Basement vermeidet stets das Pathos. Die Texte bleiben nüchtern und andeutend und überlassen es dem Hörer, die eigenen Wunden hineinzuprojizieren. Diese Zurückhaltung, verbunden mit der Wucht des Klangs, schafft ein seltenes Gleichgewicht: Man wird bewegt, ohne manipuliert zu werden. Die Platte spricht von Zerbrechlichkeit mit einer fast körperlichen Kraft, und genau dieser Kontrast, diese Begegnung von sanftem Wort und brutalem Klang, macht sie so unvergesslich. Nichts ist in dieser Dosierung dem Zufall überlassen, weder die Platzierung der Stimme noch die Dicke der Gitarren, und man begreift rasch, warum die Platte so viele Hörer prägte. Sie lässt sich immer wieder hören, ohne je abzunutzen, und offenbart bei jedem Durchgang ein Detail, das man beim vorigen Mal überhört hatte. Genau darin liegt die stille Größe dieser Aufnahme.

Über die Jahre ist Colourmeinkindness zu einem Bezugspunkt für eine ganze Generation von Hörern geworden, die mit dem Emo- und Post-Hardcore-Revival der frühen zweitausendzehner aufwuchs. Es verdichtet in einer Handvoll Titel alles, was das Genre im besten Fall bieten kann: starke Melodien, rohe Energie, eine Aufrichtigkeit, die nicht mit billigen Worten handelt. Dass die Band später zurückkehrte, ändert nichts am Wert dieses schwebenden Moments. Colourmeinkindness bleibt ein Album, das ohne Umweg ins Ziel trifft und dessen scheinbare Schlichtheit ein echtes Talent zum Songschreiben verbirgt. Eine Platte, die man laut hört, allein, im Dunkeln.