Als Title Fight 2012 Floral Green veröffentlichte, schloss die Band aus Kingston, Pennsylvania, eine Tür, um eine andere zu öffnen. Wo die frühen Aufnahmen die rohe Dringlichkeit von Pop-Punk und melodischem Hardcore atmeten, greift dieses zweite Album nach Tiefe, Textur und Schatten. Es ist nicht länger nur eine Platte, die rennt, sondern eine, die im Gehen nachdenkt, auch wenn das bedeutet, die Verzerrung zu Nebel zerfließen zu lassen, auch wenn es bedeutet, langsamer zu werden, um härter zu treffen.

Eine bewusste Wendung zum Dunst

Schon in den ersten Takten hört man eine Band, die weit über ihre unmittelbaren Einflüsse hinaus zugehört hat. Die Gitarren behalten die Schärfe des Punk, lassen sich aber von einem Hall verschlucken, der an Shoegaze und Indierock der neunziger Jahre erinnert. Der Gesang, aufgeteilt zwischen den beiden Brüdern und dem Gitarristen, pendelt zwischen zerfranster Wut und einer ruhigeren Melancholie. Diese doppelte Stimme, dieses doppelte Temperament, wird zur eigentlichen Signatur des Albums, seine Art, zwei Dinge zugleich zu sagen.

Ein Songwriting, das an Nuancen gewinnt

Floral Green hält zwei Versprechen zugleich: nervös zu bleiben und atmosphärisch zu werden. Das langsamste Stück, oft als emotionaler Höhepunkt der Platte genannt, bremst alles ab, dehnt den Ton und beweist, dass die Band weder Stille noch Zurückhaltung fürchtet. Anderswo explodieren die Refrains weiterhin, doch sie sind besser vorbereitet, besser gebaut, als wäre jeder Anstieg darauf angelegt, im genau richtigen Moment einzuschlagen. Die klare, dichte Produktion hebt diesen Kontrast hervor, ohne je die rauen Kanten abzuschleifen.

Eine Platte des Übergangs

Was auffällt, ist die Geschlossenheit des Ganzen. Hier gibt es keinen Füller, kein Stück, das sich zu lange hält, keine wahllos hingeworfene Idee. Jeder Song scheint einen genauen Platz in einer Erzählung später Adoleszenz einzunehmen, gefangen zwischen verschluckter Wut und einer aufkeimenden Klarheit. Die Texte, nie geschwätzig, lassen Zweifel, Verlust und das Gefühl, zwischen zwei Lebensaltern festzustecken, an die Oberfläche treten. Es ist eine Platte des Übergangs, geschrieben von Musikern, die öffentlich erwachsen werden und dazu stehen, ohne sich zu verstecken, mit einer Offenheit, die berührt. Und was die Platte nie tut, ist sich selbst zu wiederholen: Jeder Song sucht seinen eigenen Winkel, seine eigene Färbung, so dass das Ganze wie ein durchdachtes Kapitel wirkt und nicht wie eine bloße Aneinanderreihung. Diese Sorgfalt merkt man erst mit der Zeit, doch dann bleibt sie haften.

Im Rückblick steht Floral Green als wichtiger Markstein seiner Szene da: Es zeigte, dass eine im melodischen Hardcore verwurzelte Band Emo, Grunge und Shoegaze umarmen konnte, ohne sich zu verraten. Title Fight verliert hier nichts von seiner Intensität, sondern verschiebt nur den Schwerpunkt. Es ist ein forderndes Album, das beim zweiten Hören mehr gibt als beim ersten, und das die Geduld dessen belohnt, der bereit ist, sich eine Weile darin zu verlieren. Für alle, die Gitarren lieben, die ebenso bluten wie träumen, bleibt es ein leiser, aber hartnäckiger Bezugspunkt, einer von denen, die man regelmäßig hervorholt, um zu prüfen, ob sie gealtert sind. Sie sind es nicht.