Venom Prison hat sich um die Wende der 2010er Jahre als einer der belebendsten Namen des britischen Death Metal etabliert. Angeführt von der Sängerin Larissa Stupar, verband die walisische Formation von Anfang an eine kompromisslose Brutalität mit engagierten, feministischen, politischen Texten — eine seltene Verbindung in einem Genre, das oft zum Rückzug auf sich selbst neigt. Erebos, von der Kritik gefeiert (ein Durchschnitt von 83 aus acht Rezensionen), bestätigt diesen aufsteigenden Kurs.
Was die Presse festhält, ist die Erweiterung der Palette. Wo die frühen Platten auf Geschwindigkeit und Dichte setzten, wagt Erebos melodische Öffnungen, Passagen mit klarem Gesang, beinahe atmosphärische Atempausen. Die Band will mehr erzählen, als bloß zuzuschlagen, und dieser erzählerische Ehrgeiz durchzieht das Ganze.
Musikalisch bleibt die Wut bestehen: unerbittliche Blastbeats, schneidende Riffs, die beseelten Growls von Larissa Stupar, deren stimmliche Präsenz der entscheidende Trumpf bleibt. Doch die sorgfältigere Produktion schafft nun Raum für Kontraste, für Steigerungen und Beruhigungen, die das Hören strukturieren und der Gewalt ein neues Relief verleihen.
Dieser Öffnungswille ist nicht ohne Risiko: Einige Puristen werden der Platte eine gewisse Verwässerung der ursprünglichen Wildheit vorwerfen, und nicht alle melodischen Vorstöße überzeugen gleichermaßen. Das Gleichgewicht, noch fragil, sucht sich erst.
Fazit: 8/10. Eine ehrgeizige und intelligente Platte, die beweist, dass der Death Metal denken kann, ohne etwas von seiner Kraft aufzugeben. Venom Prison steigert sich.



