Selten sind Bands, die nach mehr als drei Jahrzehnten des Bestehens noch immer von ein und derselben Vision beseelt scheinen. Amorphis gehört zu ihnen. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre aus der finnischen Death-Metal-Bewegung hervorgegangen, bog die Formation aus Helsinki früh zu einem melodischen Metal ab, den die heimische Folklore durchtränkt und der unermüdlich aus dem Kalevala schöpft, dem Gründungsepos des Landes. Halo, ihr vierzehntes Album, führt diese Ader mit der Sicherheit von Veteranen fort.
Die Kritik zeigt sich wohlwollend (82 im Schnitt bei acht Besprechungen) und würdigt die Beständigkeit einer Band, die seit dem Eintritt des Sängers Tomi Joutsen ein nahezu vollkommenes Gleichgewicht gefunden hat. Das tiefe Growling tritt in Zwiesprache mit klaren, überaus durchsichtigen Refrains, während die Keyboards von Santeri Kallio das Ganze in eine fast orientalische Färbung tauchen. Gelobt werden ein reiches Songwriting und unmittelbar einprägsame Melodien.
Musikalisch entfaltet Halo das mittlerweile vertraute Arsenal der Band: kraftvoll gefügte Riffs, sorgsame Arrangements und jene so eigene Art, Schwere und Licht nebeneinander bestehen zu lassen. Die weite, warme Produktion bringt jede Schicht zur Geltung, vom Grollen der Gitarren bis zu den schwermütigen Schwaden der Synthesizer. Es ist ein kultivierter, erwachsener Metal, der niemals nach Effekthascherei strebt.
Einwenden ließe sich, dass Amorphis kaum noch überrascht, dass die Formel, so schön sie sein mag, zu einem gut geölten Mechanismus geworden ist. Der Vorwurf hat seinen Wahrheitskern: Die Band verfeinert mehr, als dass sie erkundet, und der vertraute Hörer erkennt das Terrain rasch wieder. Doch die Ausführung bleibt von solchem Rang, dass die Routine zur großen Kunst gerät.
Ein solides, großzügiges Werk, das Amorphis in seinem Status als verlässliche Größe des nordischen Metal bestätigt — eine jener Bands, deren jedes Album man mit selten enttäuschtem Vertrauen erwartet. Fazit: 8/10.



