Seit der Jahrtausendwende zählen die Schweden von Cult of Luna zu den bedeutenden Architekten des Post-Metal, jener von Neurosis ererbten Kunst der langen Steigerungen und der kathartischen Entladungen. The Long Road North bestätigt ihre Beherrschung einer Ästhetik, zu deren Definition sie maßgeblich beigetragen haben: jener der Langsamkeit, der Weite und der geduldig aufgebauten Spannung.
Die zahlreiche Kritik (ein Schnitt von 83 aus neun Besprechungen) rühmt eine Platte von bemerkenswerter Geschlossenheit, in der sich jedes Stück wie eine Landschaft entfaltet. Die Band vertieft ihre bevorzugten Themen — die Isolation, die Kälte, den Marsch durch feindliche Weiten — mit einer Schwere, die nie ins Pathos kippt.
Musikalisch ist alles eine Frage der Dynamik. Massive Gitarren wechseln mit atmosphärischen Passagen, durchsetzt von Keyboards und Blechbläsern, die geschriene Stimme wird zum Träger einer verhaltenen Dringlichkeit, das Schlagzeug hämmert einen beinahe tellurischen Puls. Cult of Luna versteht es, das Warten hinzuziehen, die Erlösung hinauszuzögern, bis die Explosion, wenn sie kommt, alles fortreißt.
Man mag einwenden, dass die Band kaum von einer bewährten Formel abweicht und dass der mit ihrer Welt vertraute Hörer hier wenig Überraschung findet. Auch die Länge verlangt Ausdauer. Doch nur wenige Formationen vermögen eine solche Intensität über die Distanz zu halten.
Fazit: 8/10. Eine weite, anspruchsvolle Platte, die Cult of Luna an der Spitze eines cineastischen, kompromisslosen Post-Metal bestätigt.



