1985 erschienen, wird Seven Churches sehr regelmaessig als das allererste Death-Metal-Album der Geschichte genannt, oder zumindest als dessen unbestreitbarste Geburtsurkunde. Die kalifornische Band Possessed, angefuhrt vom sehr jungen Saenger und Bassisten Jeff Becerra, faengt hier den exakten Moment ein, in dem der extremste Thrash Metal in etwas Dunkleres, Brutaleres, wahrhaft Ungehoertes und Neues kippt.

Das fehlende Bindeglied

Beim Hoeren klingt Seven Churches wie eine schwindelerregende Brucke zwischen dem damals boomenden Thrash der Bay Area und dem, was noch keinen praezisen Namen hatte. Tempo und Aggression erinnern klar an Slayer, doch Becerras Gesang, ein heiseres, gutturales Growling aus der Tiefe, eroeffnet einen radikal neuen Gesangsansatz, der zur absoluten Norm des Death Metal werden sollte.

Das treffend Death Metal betitelte Stuck soll der Legende nach dem ganzen Genre seinen Namen gegeben haben. Die Gitarre eines sehr jungen Larry LaLonde, kunftiges Mitglied der Alternative-Rock-Band Primus, bringt chaotische, fast atonale Soli und eine rohe Energie, die den transgressiven und beunruhigenden Charakter des Ganzen zusaetzlich verstaerken.

Eine jugendliche Energie

Was Seven Churches so eindrucksvoll und so lebendig macht, ist vor allem seine jugendliche Dringlichkeit und Spontaneitaet. Die Musiker sind sehr jung, und man hoert es klar in einem fast unkontrollierbaren Feuer, einem wilden Willen, immer weiter, schneller und haerter zu gehen als alles damals in der Metal-Landschaft Vorhandene.

Die offen okkulten und satanischen Themen fugen einer bereits durch ihre blosse Form transgressiven Musik eine anruchige, provokante Aura hinzu. Die rohe, direkte, ungeschminkte Produktion faengt diese Energie ein, ohne je zu versuchen, sie zu zaehmen, und bewahrt unversehrt den packenden Eindruck einer Band, die in Echtzeit ein Genre erfindet.

Ein Grundungsakt

Die historische Bedeutung von Seven Churches ist schlicht immens und kaum zu uberschaetzen. Ohne diese Platte haette der Death Metal, wie wir ihn heute kennen, zweifellos ein voellig anderes Gesicht getragen oder waere viel spaeter erschienen. Chuck Schuldiner und seine Band Death, oft als Vaeter des Genres genannt, gehoeren zu einer Bewegung, deren einer allererster und entscheidendster Markstein Possessed sind.

Der spaetere Weg der Band sollte chaotisch verlaufen, gezeichnet insbesondere vom persoenlichen Drama Jeff Becerras, Opfer eines Uberfalls, der ihn gelaehmt zuruckliess, vor einer viel spaeteren Ruckkehr auf die Buhne und ins Studio.

Uber ihren blossen historischen Status hinaus bleibt die Platte bis heute ein pulsierendes, wildes und erstaunlich frisches Hoererlebnis. Sie ist eine echte Zeitkapsel, das kostbare klangliche Dokument einer Geburt und ein Klassiker, dessen betraechtlicher Einfluss die gesamte Geschichte des Extreme Metal durchzieht. Ein absolut unverzichtbarer Grundstein. Jeder Liebhaber des Extreme Metal schuldet es sich, wenigstens einmal dorthin zuruckzukehren, und sei es nur, um den seit jenem grundenden Urschrei zuruckgelegten Weg zu ermessen.