1995 bestaetigten Vader mit De Profundis ihren Status als unbestrittene Speerspitze des polnischen Death Metal, der damals voll auf der internationalen Buhne aufkam. Angefuhrt vom Gitarristen und Saenger Piotr Wiwczarek, genannt Peter, dem einzigen noch anwesenden Grundungsmitglied, liefert die Band ein kurzes, dichtes und unerbittliches Album, das die Aggression des amerikanischen Death Metal mit der kuhlen Strenge der osteuropaeischen Schule verbindet.
Praezision und Tempo
Vader pflegten stets eine Ausfuhrung von beinahe chirurgischer Schaerfe, und De Profundis ist von Anfang bis Ende ein perfektes Beispiel dafur. Die Riffs sind wie mit dem Lineal geschnitten, das Schlagzeug haemmert mit nahezu mechanischer Regelmaessigkeit, und das Ganze rast in einem oft rasenden Tempo, ohne je an Lesbarkeit oder Wucht zu verlieren. Das ist direkter Death Metal, ohne den geringsten Schnoerkel, ganz auf Effizienz ausgerichtet.
Peters Gesang, guttural und doch perfekt artikuliert, skandiert dustere Texte mit einer natuerlichen Autoritaet, die der Band ihre sofort erkennbare Identitaet verleiht. Diese Klarheit im Extremen, diese Faehigkeit, mitten im Chaos verstaendlich zu bleiben, ist eine der grossen Staerken der polnischen Formation.
Eine furchterregende Effizienz
Die Hauptstaerke des Albums liegt in seiner bewussten Knappheit. In einer Handvoll kompakter Songs lassen Vader absolut keine Leerlaufzeit und nicht das geringste Fullmaterial zu. Silent Empire und die anderen Aushaengeschilder ruecken wie echte Kriegsmaschinen vor und wechseln schnelle Angriffe mit schweren Breaks in einer rhythmischen Kunst, die Slayer ebenso viel verdankt wie Morbid Angel.
Diese Oekonomie der Mittel, diese kategorische Verweigerung von Uberbietung und unnoetiger Laenge machen De Profundis zu einer Platte, die hart und schnell zuschlaegt, direkt auf den Punkt, ohne sich je in uberfluessigen Entfaltungen zu verzetteln. Jede Sekunde wird mit vorbildlicher Disziplin genutzt.
Ein Meilenstein des Ostens
De Profundis half massgeblich, Polen auf die Landkarte des weltweiten Death Metal zu setzen, und bahnte den Weg fur eine ausserst fruchtbare Szene, die spaeter Behemoth, Decapitated und viele andere bedeutende Formationen hervorbringen sollte. Vader behaupten hier einen Stil, der uber ihre lange Karriere bemerkenswert konstant und sich selbst treu bleiben sollte.
Die Band, uber die Jahre von mehreren Todesfaellen gezeichnet, darunter dem ihres langjaehrigen Schlagzeugers, verstand es stets, jene Intensitaet und jenen Geist der Strenge zu bewahren, die ihr Markenzeichen sind, selbst durch Besetzungswechsel hindurch.
Es ist vielleicht nicht die abenteuerlichste oder originellste Platte des Genres, aber ein vollendetes Musterbeispiel an Effizienz und Kohaerenz, ein Beweis handwerklichen Koennens, der den europaeischen Extreme Metal nachhaltig praegte und bis heute ein absolut sicherer Wert fur jeden Liebhaber des Stils bleibt. Bis heute bleibt es eines der meistgenannten Alben der Discografie der Band, und seine kompakte Laenge macht es zu einem Objekt, das man in einem Zug mit demselben Vergnuegen wieder und wieder hoert.








