Anfang der 2010er um den Schlagzeuger Martin Lopez, einst bei Opeth, und den Sänger Joel Ekelöf entstanden, schleppte Soen lange das Etikett des Tool-Jüngers mit sich, ehe die Band eine eigene, melodischere und klarere Identität durchsetzte. Memorial, ihr sechstes Album, bestätigt diese Entwicklung hin zu einem zugänglichen Progressive Metal, dem es um Lieder statt um Demonstrationen geht.
Die Kritik (im Schnitt 80 über sieben Rezensionen) würdigt die Beständigkeit einer Band, die Platte um Platte ihr Rezept verfeinert. Gelobt werden die Stimme von Joel Ekelöf, warm und ausdrucksstark, sowie Texte, die nicht zögern, soziale und politische Themen mit bewusstem Ernst anzugehen.
Musikalisch setzt Memorial auf das Gleichgewicht: kantige Riffs, weite Refrains, sorgfältige Arrangements, in denen jedes Instrument seinen Platz findet. Die klare, dynamische Produktion hebt eine Schreibweise hervor, die der unmittelbaren Emotion den Vorrang vor technischer Fülle gibt — ein Progressive auf Augenhöhe des Menschen.
Diese Klarheit hat indes ihre Kehrseite: Im allzu eifrigen Streben nach Wirksamkeit streift Soen bisweilen die Formel, und der mit der Band vertraute Hörer mag finden, dass die Platte kaum neues Terrain erschließt. Die Solidität des Ganzen verdeckt nicht ganz eine gewisse Bequemlichkeit.
Fazit: 8/10. Ein ausgereiftes, aufrichtiges Album, das Soen unter den verlässlichen Größen des zeitgenössischen melodischen Progressive Metal bestätigt.



