Seit rund fünfzehn Jahren hat das deutsche Kollektiv The Ocean ein konzeptuelles Werk von seltener Geschlossenheit errichtet, das sich um große wissenschaftliche Fresken dreht: die Geschichte der Erde, die Geologie, die tiefe Zeit. Holocene schließt das mit Phanerozoic begonnene Diptychon und treibt die Band zu ihren atmosphärischsten und elektronischsten Ausläufern.

Die Kritik (ein Schnitt von 82 aus acht Besprechungen) rühmt eine kontemplative Platte, in der die Schwere des Post-Metal atmosphärischen Texturen, Synthesizerschwaden und einer diffusen Melancholie weicht. Ihrem Anliegen treu, vertont die Band die Fragilität des gegenwärtigen geologischen Zeitalters, geprägt vom menschlichen Abdruck.

Musikalisch bevorzugt Holocene die Nuance vor der Wucht. Die Gitarren werden zurückhaltender, die klare Stimme von Loïc Rossetti gewinnt an Bedeutung, und das Ganze badet in einem dämmrigen, beinahe resignierten Licht. Es ist eine Platte des Zyklusendes, getönt von einer bewusst angenommenen Schwere.

Diese Wendung zur Innerlichkeit wird nicht alle überzeugen: Freunde der abrasiveren Entladungen der Band mögen das Ganze zu glatt, zu verhalten finden, als hätte The Ocean einen Teil seiner Wut weggeräumt. Die konzeptuelle Geschlossenheit hat hier Vorrang vor der unmittelbaren Wirkung.

Fazit: 8/10. Eine elegante, melancholische Platte, die eines der ehrgeizigsten Projekte des zeitgenössischen Progressive Metal nüchtern beschließt.