Québec hat sich seit rund zwanzig Jahren als eine der lebendigsten Brutstätten des Black Metal außerhalb Skandinaviens durchgesetzt, und Spectral Wound verkörpert heute dessen unmittelbarsten Flügel. Fern von jedem atmosphärischen Zögern bekennt sich die Band aus Montréal zu einem herben, schnellen Black Metal in der Nachfolge der zweiten Welle, in dem allein die Wucht des Angriffs zählt. Songs of Blood and Mire liefert davon einen schneidenden Beweis.
Die Kritik (ein Durchschnitt von 85 über acht Rezensionen) lobt genau diese Absage an jeden Zierrat. Gerühmt werden ein nervöses Schreiben, ein Gespür für das Riff, das an die großen Stunden des Genres erinnert, und jene rohe Energie, die alles vor sich niederwalzt. Wo so viele Bands die Verfeinerung suchen, pflegt Spectral Wound die klare Linie der Gewalt.
Musikalisch schreitet die Platte offen voran: glühende Tremolos, unerbittliche Blastbeats, eine wundgeriebene Stimme, die eher speit als singt. Die bewusst rohe, aber lesbare Produktion lässt jedes Riff hörbar werden, ohne je die Dringlichkeit zu verwischen. Dies ist ein Black Metal des Frontalangriffs, der seine Abstammung ohne Komplexe annimmt und sie zu einem selten erreichten Punkt der Weißglut führt.
Man wird einwenden, dass das Unternehmen nichts erfindet: Spectral Wound schreibt die Regeln des Genres nicht neu, sondern wendet sie mit völliger Überzeugung an. Wer vom Black Metal erwartet, dass er sich mit jeder Platte neu erfindet, wird unbefriedigt bleiben. Doch die hier entfaltete Meisterschaft macht den Einwand beinahe lächerlich.
Fazit: 8.5/10. Eine Platte von genüsslicher Unnachgiebigkeit, die daran erinnert, dass der Black Metal, auf sein Wesen reduziert, eine ungebrochene Kraft der Erstarrung bewahrt.



